Schiefgelaufene Crowdfunding-Kampagne für Wunder-Router Soap: "Unterstützer sind doch keine Vorbesteller"
Über 400.000 US-Dollar sammelte Soap mittels Crowdfunding für einen Router mit Touchscreen und Heimautomation ein, der bis heute nicht geliefert wurde. Nun präsentiert die Firma auf der CES ein neues Projekt - und fühlt sich zu Unrecht angegriffen.
(Bild: Soap / Indiegogo)
Im Sands Expo hat die Firma Soap an ihrem Stand auf einem Tisch Seifen am Band aufgetürmt, dahinter lässt sie auf einem TV einen nichtssagender Werbeclip in einer Schleife laufen. Zwei junge Firmengründer stehen daneben und wirken recht verloren. Was das Unternehmen macht, wird nicht klar – erst auf Nachfrage erfährt man, dass eine App entwickelt werden soll, die Router um Heimautomationsfunktionen erweitert.
(Bild: Nico Jurran / heise online)
Nun wäre ein bizarrer Auftritt eines Startups eine Sache. Doch Soap ist kein unbeschriebenes Blatt: Im Frühjahr und Sommer 2014 startete das Unternehmen um drei Leute aus Colorado zwei Crowdfunding-Kampagnen, erst auf Kickstarter und dann auf Indiegogo. Versprochen wurde ein einfach zu bedienender Router mit Quad-Core-Prozessor, Touchdispay und Android-Betriebssystem, der neben schnellem WLAN und ausgefuchster Kindersicherung unter anderem Unterstützung für die Protokolle ZigBee, Z-Wave, Insteon, Bluetooth 4.0 bieten und auch gleich RFID/NFC eingebaut haben sollte -- also eine eierlegende Wollmilchsau, die aber selbst in der Premiumfassung nur 200 US-Dollar kosten sollte. Und das Angebot zog beide Male: Insgesamt sammelte Soap über 400.000 US-Dollar ein, obwohl es von Beginn an durchaus ernste Bedenken bezüglich der Realisierbarkeit des Projekts gab – zumal erste Geräte schon im Sommer 2014 ausgeliefert werden sollten.
Dann platze der Traum wie die bekannte Seifenblase. "Wir haben uns überhoben", sagt der CEO Alex Jones heute. Am Ende sei das gesamte Geld für die Entwicklung der Hardware-Plattform draufgegangen. Dennoch sei es nicht gelungen, einen Router mit den versprochenen Funktionen zu einem annehmbaren Preis zu entwickeln. Der den Unterstützer versprochene 200-Dollar-Router hätte letztlich schon rund 400 Euro in der Produktion gekostet. Daher habe man nun auch ein neues Projekt ins Leben gerufen: Ab März will Soap eine Software anbieten, mit der ein ausgewähler Router zur Heimautomationszentrale wird. Konfiguriert wird dann bequem per Android- oder iOS-App. Praktisch sei es eine Wiederholung der Idee aus den Kampagnen, nur dass man die Herstellung der Hardware anderen überlasse.
(Bild: Nico Jurran / heise online)
Mit dem eingenommenen Geld will man dann den Unterstützern dann die versprochenen Router doch noch zum damals ausgerufenen Preis liefern. Im Januar soll es damit bereits losgehen, allerdings kleckerweise: erst 15 Stück, dann 100, und so weiter – bis alle ihr zugesagtes Gerät hätten. Danach sei aber endgültig mit der Idee von der eigenen Hardware Schluss. "Für uns wird das zum Verlustgeschäft", sagen die Soap-Jungs – und Jones kommt dabei in Fahrt. Die Backer haben seiner Meinung nach das Crowdfunding-System nicht verstanden: "Unterstützer sind Investoren und keine Vorbesteller." Ein Anspruch auf Lieferung bestünde also letztlich gar nicht. Aber man wolle ja nicht, "dass die Backer angepisst sind". Dieser Satz lässt aufhorchen: Ist es dafür nicht etwas spät? Auf den Seiten der Crowdfunding-Plattformen verlangen viele Unterstützer schon lange ihr Geld zurück. "Wir haben ja auch einigen schon das Geld zurückgezahlt", betonte Jones. Wie viele das gewesen seien? "So 50". Insgesamt hatten 3000 Leute das Projekt unterstützt.
Doch Jones ist das Thema spürbar unangenehm. Er will lieber über das neue Projekt sprechen: Man habe bereits einen Router-Hersteller an der Hand, auf dessen API man ganz offiziell zugreifen dürfe. Zu sehen gibt es den am Stand nicht, auch die App nicht. Aber die wird auf jeden Fall kostenlos sein – oder besser gesagt In-App-Käufe bieten. Dann bezahlt der Kunde etwa Summe X und bekommt zum Beispiel das Funkprotokoll ZigBee oder Z-Wave am Router freigeschaltet. X ist auch für die Soap-Leuten auf Nachfrage noch eine Unbekannte. Kurzzeitig kommt Verwirrung auf: Wollte man nicht ein Abomodell bieten? Ja, nein? Kein Ahnung, kommt alles später. Aktuell gehe es darum, sich auf der CES zu präsentieren, mit Investoren zu sprechen. Stehengeblieben ist in der Viertelstunde unseres Gesprächs am kleinen Stand aber niemand. 2500 US-Dollar kostete der für die ganze Messe, da Soap zum ersten Mal dabei ist. "Im nächsten Jahr wird es dann wesentlich teurer", lachen die beiden Soap-Macher. Sie scheinen tatsächlich dran zu glauben.
Nachtrag: Routerherstellers Securifi zeigt auf der CES seinen Router "Almond+" mit Touchscreen und 750 MHz schnellem Dual-Core-Prozessor vom Typ Cortex A-9, der zum Listenpreis von rund 250 US-Dollar die Heimautomationsstandards ZigBee Home Automation und Z-Wave bieten soll. Den kleine Bruder Almond soll es in der 2015er-Fassung mit Touchscreen,580-MHz-MIPS-CPU und ZigBee HA für rund 100 Dollar geben; Z-Wave lässt sich aber über einen USB-Funkstick nachrüsten. Die Steuerungssoftware fürs smarte Heim läuft auf den Geräten, Anpassungen und Plug-ins seien dank Open-Source-Software problemlos möglich. Per App vom Smartphone oder Tablet muss nichts freigeschaltet werden. (nij)